|
|
|
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
|
Aus: Das Bondage-Handbuch, Matthias T. J. Grimme, Charon Verlag 1999
Wir kennen uns schon länger, wir haben über unsere Vorlieben gesprochen. Ich weiß, daß sie an einer Bondage das Gehaltenwerden und den Druck mag und das gerne einmal über einen längeren Zeitraum erleben würde, wobei sie später auch Lust auf Sex in gefesseltem Zustand hätte. Mir selber ist Druck ausüben nicht so wichtig, mich reizt eher eine Bondage, die die Schönheit ihres Körpers unterstreicht, sie vielleicht in eine neue noch aufregendere Form schnürt. Beim Sex werde ich gerne angefaßt, aber ich finde es genauso spannend, den anderen zu berühren, zu reizen, zu stimulieren und sie ist wehrlos meinen Händen, meine Zunge, meinen Lippen ausgeliefert. Ich weiß, daß sie noch wenig Erfahrungen mit Bondage hat. Ich bin mir meiner Kenntnisse sicher, weiß, daß komplizierte Bondage eher nicht mein Ding sind. Zuerst sollte man als Aktiver ein Bild vor seinem inneren Auge haben, eine Phantasie oder eine Vorstellung, die einem den Anhaltspunkt gibt, wohin die Bondage-Session führen soll. Nichts gegen Experimente, aber es ist auf unbeabsichtigte Weise anstrengend für den passiven Part, wenn ich inspirationslos vor dem bereitwilligen Menschen stehe und keine Ahnung habe, was ich womit wie fesseln möchte. Ich
stelle mir eine japanische Ganzkörper-Bondage vor, die den Körper
wie mit einem Netz ein-schnürt und auch Arme und Bein mit einbezieht.
Ich weiß, daß ich dafür mindestens 20 Meter Seil brauche.
Sie ist eine große Frau, daher werden es möglicherweise sogar
mehr. Aus ästhetischen Gründen besitze ich ausschließlich
schwarzes und weißes Seil. Weil es sich angenehm und anschmiegsam
um den Körper legt, benutze ich heute das weiße Baumwollseil
ohne Seele, was das Seil elastischer macht. Ich habe mehrere Stücke
so aufgeschossen, daß sie nach Länge sortiert, mit einem
Griff zu entrollen sind. Aus
den Lautsprechern der Stereoanlage erklingt unsere Lieblingsmusik für
ruhige Spiele, weni-ger rhythmisch, eher einen geheimnisvollen Klangteppich
bildend. Bist
Du bereit, frage ich sie leise. Sie schaut mich ernst an, dann
lächelt sie und nickt. Wir küssen uns. Ich lege ihre Arme
auf dem Rücken zusammen. Dann greife ich mir das erste Seil, ein
etwa acht Meter langes Stück. Zuerst binde ich ihre Handgelenke
überkreuz zusammen, dann führe ich das Seil nach vorne, oberhalb
ihrer Brüste. Eine weitere Seilwindung des doppelt genommenen Seils
unterhalb ihrer Brüste. Ich überprüfe, ob die Hände
nicht zu fest gefesselt sind. Zwischendurch
kontrolliere ich ihre Hände, sie fühlen sich warm an. Ich
gebe ihr etwas Sekt zu trinken, streichle über ihren fixierten
Körper, spanne dort das Seil etwas indem ich mit zwei Fingern darunter
fahre. Spiele mit dem Seil durch ihre Scham. Lasse sie seufzen, stöhnen.
Ihr Atem ist trotz der angespannten Seile um ihre Brust tief und wird
langsam schneller. Vom Stuhl in der Ecke des Raumes kann ich ihren Anblick noch mehr genießen. Sie ist mein Kunstwerk. Später, als ich sie befreit habe, liegen wir im Bett und ich fahre mit den Fingern die Abdrücke der Seile nach. Wir reden über unsere Gefühle während der Bondage, ihre Geborgenheit, das Gehaltenwerden durch die Seile, das Eingezwängtsein, meinen Stolz und ihre Schönheit, den Blick ihrer Augen und meine Konzentration, den Genuß meiner Blicke, meine Macht und unser gemeinsames Vergnügen... Oder Wir liegen im Bett, ich lege ihre Hände neben ihren Kopf, spreize ihre Beine. Ich bitte sie, sich nicht zu bewegen, so als sei sie in dieser Position gefesselt. Sie willigt ein. Während ich in sie eindringe, zucken ihre Arme. Eine leichte Berührung erinnert sie an ihr Versprechen... Oder Wir sitzen uns im Wohnzimmer gegenüber. Ich auf dem Sofa, sie auf einem Sessel mit Armlehnen. Zieh Dich aus, langsam, mach es spannend. Sie steht auf, lächelnd entkleidet sie sich. Dann fordere ich sie auf, sich nackt auf den Sessel zu setzen. Ihre Hände verschränke ich im Nacken. Die Beine lege ich auf die Armlehnen. Aus dem Schlafzimmer hole ich Seil und befestige ihre Beine so, daß sie sie nicht mehr bewegen oder gar schließen kann. Die Hände fessle ich so, daß sie im Nacken bleiben. Langsam beginne ich sie zu reizen, spiele mit ihren Brüsten, ihrer Scham, lecke an ihr, streichle sie, schiebe meine Finger in ihren Mund, in ihre Scheide... Oder Wir drehen das Spiel um. Mal fängt sie mich schon an der Tür ab und legt mir mit sanfter Gewalt ein Paar Handschellen an, mal fesselt sie mich ans Bett, während sie auf mir sitzt. Oder sie macht mir aus Seil einen Harness, den ich unter der Kleidung trage, wenn wir abends essen gehen. Die Variationsmöglichkeiten sind unerschöpflich. Ob nun geplant, spontan oder sich langsam entwik-kelnd, Bondage hält die unterschiedlichsten erotischen Kicks bereit, wenn beide Lust haben, sich auf das Spiel einzulassen. Manch einer mag sich an dem Wort Spiel stören, empfindet seine Vorliebe für Bondage eher etwas sehr ernsthaftes, sieht es vielleicht sogar als sein Leben durchziehendes Thema. Doch Spiel meint nicht so sehr ein tun als ob, sondern drückt eher den spielerisch, kreativen Umgang mit Seil, Handschelle und Zwangsjacke aus.
Die beiden Bilder auf dieser Seite entstanden auf der Boundcon, München 2008 bei meiner letzten Session.
|