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Seil und mehr
Seil und anderes für Bondage
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2. Arten von Seil - wie man damit umgeht, wie es behandelt
wird und mehr ...
Zur allgemeinen Seilbondage kann man die verschiedensten Arten Seil
verwenden. Das gemütlichste fertig gekaufte Bondage Seil ist Baumwollseil
ohne Seele (kein umflochtener Mittelstrang), am besten in 8 mm Durchmesser.
Um die Enden zu versäubern kann man Klebeband nehmen, einen Knoten
schlagen oder es so machen wie die Seeleute. Für letzteres braucht
man Nadel und Faden. Man nimmt ca. 50 cm Faden und wickelt ihn mehrmals
um das Ende des Seils. Dann vernäht man das restliche Ende so, das
die einzelnen Lagen sich nicht verschieben können. Baumseil ist wegen
seiner geringen Bruchlast nicht für Suspensions geeignet.
Andere Leute schwören auf weiches Nylonseil wie es beim Segeln oder Bergsteigen zum Einsatz kommt. Aber alle Arten Seil, besonders Nylon, können einen Seilbrand verursachen, wenn man es mit Druck und schnell über menschliche Haut zieht. Nylon Seil kann man versäubern, indem man die Enden mit einer Gasflamme anschmilzt.
In der meisten Zeit in der ich Bondage gemacht habe, habe ich schwarzes
oder weißes Baumwollseil benutzt. Doch inzwischen schwöre ich
auf Hanf- oder Juteseil (6 mm Durchmesser, dreischäftig gedreht).
Wenn man das Seil roh wie gekauft benutzt, passiert es schon mal, daß
es zu Hautverletzungen kommt. Das gleiche Problem passiert mit Sisal-
und Kokosseil, die noch rauher sind.
Wer sein Hanfseil so vorbereiten will, daß es anschmiegsam und
weich ist, muß eine ganze Menge Zeit und Energie hineinstecken oder
es fertig präpariert kaufen. Daher sollte man sich vorher überlegen,
ob es einem das wert ist. Wer die Frage bejaht, hat hinterher ein Seil
welches besonders weich ist und zu dem er ein persönliches Verhältnis
hat. Natürlich kann man sich auch anders entscheiden, wichtig ist
dabei, daß man sich auch von seinen Sinnen leiten läßt
und den Geruch, die Struktur oder die Farbe des Seils mag.
Einige Worte zur Vorbereitung von Hanf Bondage Seilen:
A: Nasse Methode (Chiba Sensei/Randa Mai) bei sehr festem und
harten Seil
Zuerst prüft man das Seil auf grobe Verunreinigungen (Spelzen
und Ähnliches entfernen), Unregelmäßigkeiten (unregelmäßig
gedrehte Stücke nicht benutzen).
Jetzt kocht man das Seil etwa 5 Stunden in einem Topf mit genügend
heißem Wasser, damit das Seil nicht anbrennt. Gegen den strengen
Geruch hilft ein offenes Fenster und eine geschlossene Küchentür.
Das Seil muß in Ruhe trocknen, am besten in Raumtemperatur. Das
kann bis zu 5 Tagen dauern. Auch wenn es sich nach etwa 2 Tagen außen
trocken anfühlt, ist es innen noch nicht trocken. Um die Spannung
in den Seilwindungen zu erhalten, sollte das Seil auf Zug aufgespannt
sein. Nach dem Trocknen nimmt man sich einen kleinen Gasbrenner (Gasherd,
Gasfeuerzeug) oder Campingkocher (auf Standsicherheit achten), die Flamme
auf Minimum gestellt. Jeweils 30 bis 40 cm des Seils zwischen den Händen
spannen und in mittlerem Tempo durch die Flamme ziehen. Die feinen Hanfpartikel
werden abgebrannt, das Seil selbst darf nicht anbrennen. Dabei sollte
man gut lüften.
Das Seil jetzt mit einem feuchten lappen abreiben und trocknen lassen.
Jetzt nimmt man Babyöl, Neoballistol, Nerzöl oder ein ähnliches
nicht verharzendes Öl und reibt jeweils ein paar Tropfen in das Seil
ein. Während dieser Prozedur kann man nochmal auf herausstehende
Spelzen achten, die man restlos entfernen sollte.
Das Seil für ein paar Tage ruhen lassen. Wenn das Seil noch nicht
weich genug ist, kann man das Seil ein weiteres Mal für 5 Stunden
kochen. Überzähliges Öl wird abgesondert und schwimmt oben
im Wasser.
Danach das Seil mindestens 1 Woche durchtrocknen lassen.
Wenn das Seil vollständig trocken ist, sollte man es mehrmals durch
die Finger laufen lassen und durchbewegen, danach ist es gebrauchsfertig.
Es wird übrigens durch häufigen Gebrauch noch anschmiegsamer.
B: Trockene Methode (nur bei sehr weichen Hanfseil-Sorten und
bei Jute-Seil)
Eine gute Idee ist es immer, neu gekauftes Seil zuerst einmal
zu waschen. Damit kann man sicher sein, daß Chemikalien, mit denen
das Seil behandelt wurde oder Schmutz entfernt werden. Waschen kann man
das Seil bei 90 Grad mit Kochwaschmittel in der Waschmaschine (damit es
sich nicht so leicht verhedert, das Seil in einen Wäschebeutel oder
einen alten Kopfkissenbezug packen). Danach sollte man es zum Trocknen
aufhängen und es zwei bis drei Tage gut durchtrocknen lassen.(Seil
unter Spannung trocknen und natürlich auf Fehler untersuchen - siehe
oben)
Als nächsten Schritt sollte man das Seil doppelt nehmen und es so
irgendwo befestigen. Wer Seilzöpfe machen kann, kann dies auch tun.
Dann sollte man das Seil zusammendrehen so fest es geht. Dabei kann man
z.B. einen Kochlöffel als Drehhebel benutzen. Diese Prozedur wiederholt
man in der anderen Richtung. Jetzt das Seil durch einen Karabinerhaken
oder eine Öse mehrmals hin und her bewegen, dabei bietet es sich
an, es sich nicht nur einfach durchzuziehen, sondern es stattdessen mit
einer Doppelschlaufe durch die Öse laufen zu lassen.
Jetzt sollte man das Seil durch die Flamme eines Gasbrenners ziehen (näheres
siehe oben). Achtung, auf Standsicherheit des Brenners achten und aufpassen,
daß nur die überstehenden Spitzen abbrennen. Am Schluß
nimmt man einen groben, sauberen, leicht angefeuchteten Lappen mit dem
man möglichen Ruß entfernt, indem man das Seil mehrmals damit
abstreicht. Wer Zugriff auf Nerzöl (dient als Lederpflegemittel,
kann man in deutschen Apotheken erwerben) hat, kann mit einem weiteren
Lappen etwas davon auf dem Seil verteilen. Neoballistol (oder die Waffenöl-Variante
Ballistol) oder Babyöl kann man auch nehmen.
Übrigens: Hanf und Juteseil gibt es in 6mm Durchmesser im Schlagzeilen-Shop.
Bruchlast 220 kp! Sowohl als Meterware, als auch als fertige Seilsets.
C: Allgemeine Anmerkungen
Eine gute Idee ist es, das Seil vor der Bearbeitung in gebrauchsfertige
Längen zu schneiden, damit das Seil sich nicht so leicht vertüdelt.
Für japanische Bondage werden die Seilenden mit einem einfachen Knoten
(Überhandknoten) versehen (die geknoteten Enden bilden eine Art Knopf,
der fixiert werden kann, sobald Seillagen eine Art Knopfloch bilden, durch
den der Knoten dann geschoben werden kann). Die Standardlänge für
Seile, die ich in meinen Bondage-Sets benutze, ist 8 Meter. Eine gute
Regel ist: Die Seillänge eines Seils sollte bei doppelt gelegtem
Seil ausreichen, eine Handfesselung hinter dem Rücken zu machen und
dann noch zwei mal um Oberkörper und Arme gehen. Dabei sollte noch
genug Seil übrig sein, um das Ende zu befestigen.
Viele Leute fragen immer wieder, welche Seillängen sie als Bondage-Einsteiger
brauchen. Als Starter Kit für einfache (nicht japanische) Seilbondages
empfiehlt sich eine Länge von 24 Metern, die dann in geeignete Stücke
geschnitten werden. Einmal 12 Meter für eine Körperbondage,
einmal 6 Meter für die Beine und zwei Stücke a 3 Meter für
die einzelnen Hände. Sobald man sich an aufwendigere und auch an
japanische Bondages heranwagt braucht man natürlich mehr. Wenn man
die Bondages von unserer BONDAGE CD oder den Bondage Workshop Videos nachbauen
will, reichen 7 Stücke a 8 Meter.
Sobald man ein sehr ausführliches Spinnennetz zwischen zwei Bäumen
oder an einem Bondagerahmen befestigen will, braucht man aber erheblich
mehr.
Wenn das Seil für eine bestimmte Bondage zu kurz ist, kann man es
problemlos mit einem weiteren Stück Seil verlängern. Daher sollte
man nicht mit Seil sparen, wenn man vor hat häufiger Seil Bondages
zu machen.
Übrigens: Unbearbeitetes Hanfseil wird mürbe, wenn es zu lange
in der Sonne liegt oder größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt
wird. Das gilt auch für andere Naturfasern.
Mir ist klar, daß das alles sehr aufwendig klingt, aber das Ergebnis wird jeden entschädigen, der das auf sich nimmt. Von der Weichheit fühlt es sich eher wie Wolle an und wirkt damit weicher als jedes Nylon- oder Baumwollseil. UND man kann es sehr schnell durch die Hände gleiten lassen oder am Körper des Bondage Opfers entlang, ohne daß es zu Seilbrand kommt.
Sobald man Hanfseil waschen will, weil man es z.B. a durch den Schritt
einer Frau gezogen hat und es jetzt an jemand anderem nutzen möchte,
dann sollte man es in handwarmem Wasser mit einem kleinen Zusatz eines
Wollwaschmittels ausspülen. Um das Seil zu sterilisieren kocht man
es in einem Schnellkochtopf, der eine höhere Kochtemperatur erreicht,
etwa 45 Minuten. Danach eventuell etwas nachölen. Blut entfernt man
wie üblich indem man das Seil möglichst umgehend für 3
Stunden in kaltes Wasser legt und es dann lauwarm auswäscht. Gegen
Wachsflecken benutzt man heißes Wasser um das Wachs weich zu machen,
dann kann man es entfernen.
Zusätzliche Infos zum Thema Seile aus Hanf (Dank an Fesseltrieb.de):
Was passiert, wenn das Seil nass wird? - Hierzu gibt
es einen tollen Link!
Was passiert, wenn Kerze und Seil zusammenkommen? Auch hierzu
ein Link!
Natürlich ist es möglich Bondage auch mit Zwangsjacken, Ledermanschetten,
Ketten oder Handschellen zu machen. Daher braucht man als Bondage-Freund
nicht zu einem Seilartisten zu mutieren. Es gibt KEIN richtiges Bondagematerial,
solange die Utensilien vom Aktiven so benutzt werden können, daß
es nicht zu versehentlichen Verletzungen kommt.
Normalerweise haben Handschellen recht harte Kanten, daher sollte man
nicht zu stark an ihnen ziehen, die Nerven und die Haut des Opfers werden
es einem danken. Von Zeit zu Zeit sollte man Bondage Equipment aus Metall
mit etwas Öl behandeln (empfehlenswert ist Ballistol). Ein zweiter
Schlüssel für alle abschließbaren Teile sollte immer an
einem bekannten Ort aufbewahrt werden, falls der erste mal verlegt wird.
Ledermanschetten und alles andere aus Leder sollte von Zeit zu Zeit mit
gutem Lederwachs behandelt werden, damit das Leder nicht brüchig
wird.
Wer nur Ketten zur Bondage benutzen will, sollte vorher überprüfen,
ob die Kette irgendwo (z.B. an den Schweißnähten) scharfe Kanten
hat. Verletzungsgefahr! Ketten sind das ungemütlichste Bondagematerial,
weil sie so unnachgiebig sind und die haut sich leicht zwischen zwei Kettengliedern
eingeklemmt wird. Daher ist es besser, Ketten eher zusammen mit Ledermanschetten
zu benutzen.
Natürlich kann man noch sehr viel mehr zu diesem Thema sagen, aber hier soll keine Neuauflage des Bondage Handbuches entstehen.
Copyright by Matthias T. J. Grimme, www.bondageproject.com
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