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Medizinisches
Rechtliches, Emotionales, Medizinisches
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Medizinisches
Die folgenden Anmerkungen sollen nicht zur Abschreckung dienen, sondern
jedem, der Bondage praktiziert, zeigen, wie man Unfälle vermeidet.
Schließlich muss einem ja jemand sagen, dass der Topf heiß
ist, bevor man ihn mit bloßen Händen von der Kochplatte nimmt
und sich verbrennt.
Ganz allgemein vertragen alle Stellen, an denen der Puls fühlbar
ist, keinen direkten, länger andauernden, punktuellen Druck. Besonders
riskant sind aus nahe liegenden Gründen Kehle und Halsvorderseite.
Daher darf ein Seil NIEMALS vorne um den Hals geschlungen werden.
Bei Fesselungen, die den Nacken mit einbeziehen, sollte bedacht werden,
dass ein Zug nach vorne einen seitlichen Druck auf die Halsvene ausüben
kann. Gerade bei stehenden oder hängenden Personen kann dies den
Carotis Sinus Venen Reflex (CSV-Reflex) auslösen, der zu sofortiger
Bewusstlosigkeit führt.
Erste-Hilfe-Maßnahme bei Bewusstlosigkeit:
Person sofort hinlegen, Beine hoch lagern, alle einengenden Bondage-Utensilien
besonders an Hals und Oberkörper sofort entfernen (eventuell mit
bereitliegender Verbandschere oder EMT-Schere und nur notfalls mit einem
Messer die Seile zerschneiden – Achtung bei Klingen, nur wenige
Spezialmesser wie etwas Fallschirmmesser haben eine stumpfe Spitze). Ein
Handtuch mit Eiswürfeln füllen oder mit kaltem Wasser nass machen
und in den Nacken legen. Sollte die Bewusstlosigkeit länger als ein
paar Sekunden andauern, den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen
und den Notarzt (112 - Notfall-Telefonnummer) verständigen. Wenn
der Druck vom Hals nicht sofort entfernt wird, kann es zum Tod kommen.
(Dies ist eine oft unterschätzte Gefahr bei Leuten, die sich selbst
fesseln, denn hier gibt es keinen, der bei einer Ohnmacht die Schlinge
vom Hals ziehen kann.)
Andere gefährdete Stellen sind die Achselhöhlen, der innere
Oberarm, das innere Handgelenk und der obere Bereich des Handgelenks mit
der relativ empfindlichen Daumensehne (daher nach Möglichkeit die
Hände mit den Handflächen nach innen zusammenfesseln), der innere
Ellenbogen, die Leistenbeuge, die Knierückseite und die Achillessehne.
In diesen Bereichen laufen neben den Blutgefäßen häufig
auch empfindliche Sehnen und Lymphstränge.
Bestimmte Nerven werden besonders bei Hänge-Bondages durch Druck
belastet:
An der Hand – Nerv in der Grube zwischen Handgelenk und Daumenballen
außen – Gefahr von Taubheit im Daumen – Handgelenk-Fesselungen
sollten nicht zu viel Druck auf diesen Punkt ausüben, daher beim
Fesseln darauf achten, dass der Seilzug eher in andere Richtungen geht.
Am Ellbogen der Ulnaris Nerv – zu finden an der Ellbogeninnenseite
– zu viel Druck hier kann zu einer kraftlosen Hand führen –
eher lockeres Fesseln der Ellenbogen aneinander, dabei ist zu beachten,
dass die meisten Menschen nicht elastisch genug sind, dass es ihnen möglich
ist, die Ellenbogen hinter dem Rücken zusammen zu bekommen.
Nervus Radialis – der Nerv läuft durch den gesamten Arm, gefährlich
wird es besonders im Bereich zwischen Schultermuskel und Bizeps –
Gefahr einer Fallhand (Hand hängt kraftlos nach unten) – regelmäßiges
Überprüfen der Kraft in den Händen und Handgelenken, indem
man dem Gefesselten die Hand gibt, und ihn bittet, die Hand nach oben
und unten mit Gegendruck zu bewegen. Ärgerlicherweise merkt man keine
anderen Vorzeichen eines Problems wie Kribbeln oder Taubheit. Und auch,
wenn der Test keine Probleme mit dem Heben und Senken der Hand ergibt,
kann es nach Lösen der Fesselung dennoch zu einer kurzfristigen Fallhand
kommen.Es ist auch eine Frage der Dauer des Drucks auf einen Nerv. Schwierigkeiten,
die bei einem kurzfristigen Druck (2 bis 5 Minuten) enstehen, bilden sich
meist innerhalb von ein paar Stunden zurück. Probleme, die nach längerer
Belastung auftreten, können zu einer wochenlangen Rekonvaleszenz
des betroffenen Nerven führen.
Daher ist es sinnvoll beim
ersten Anzeichen einer Komplikation sofort den Druck von der betroffenen
Stelle zu entfernen. Um den möglichen Druck auf Nerven abzumildern,
kann man die Fesselungen etwa an den Hand- oder Fußgelenken polstern,
z.B. durch Schaumstoffpolster, Schweißbänder oder Handtücher.
Auch ein dicker Knoten in einem sonst nicht zu straffen Seil kann an den
empfindlichen Körperstellen zu Problemen führen.
Sollte es trotz aller Kontrolle doch einmal zu einer Nervenreizung oder
-quetschung kommen, weil das Seil zu eng am Körper gelegen hat, sollte
man diese Stelle gleich mit einem Eisbeutel kühlen. Nervenreizungen
können sehr unangenehm sein und zu Taubheitsgefühlen in der
betroffenen Extremität führen, die manchmal mehrere Tage und
sogar Wochen anhalten können.
Bei Fesselungen im Stehen, besonders wenn die Arme nach oben gestreckt
sind oder auch bei Hängefesselungen mit dem Kopf nach unten, kann
es zu Kreislaufproblemen kommen. Menschen mit niedrigem Blutdruck oder
eher große Menschen neigen oft mehr zu Kreislaufproblemen.
Deswegen ist darauf zu achten, dass die gefesselte Person nicht unkontrolliert
umfallen kann. Wenn in einem Einstiegsgespräch abgeklärt wurde,
dass die Person, die gefesselt werden soll, schon früher Kreislaufprobleme
hatte, sollte die- oder derjenige lieber im Liegen oder Sitzen gefesselt
werden um schon von vornherein mögliche Probleme auszuschließen.
Anzeichen für Kreislaufprobleme sind: Hautblässe, kalter Schweiß
auf dem ganzen Körper, flaches kaum wahrnehmbares Atmen, verminderte
Ansprechbarkeit (das kann etwa bedeuten, dass Rückmeldungen ausbleiben).
Verhalten wie oben (CSV-Reflex) mit sofortigem Befreien und Hinlegen der
Person, Hochlagerung der Beine, eventuell stabile Seitenlage. Durchblutungsstörungen
können auch gewollt oder ungewollt in eingeschnürten Gliedmaßen
auftreten.
Kurzfristiger Rückstau
des Blutes in den Venen kann manchmal ganz spannend sein (z.B. am Penis),
aber auch schnell problematisch werden. (Bei Menschen mit einer Neigung
zu Krampfadern in den Beinen kann ein Rückstau zu einer Verschlimmerung
führen. Im schlimmsten Falle ist sogar ein Gefäßverschluss
möglich, daher die Seile bei Krampfadern nicht direkt über die
sichtbaren Krampfadern laufen lassen.)
Anzeichen für einen Blutstau sind bläuliche Verfärbung
der Haut, kühle Haut, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Stechen.
Maßnahmen: Sofort die Fessel lösen und den betroffenen Körperteil
sanft massieren. Bei Krampfaderbildung den Arzt aufsuchen und vorher abklären.
Neben den streng medizinischen
Spielregeln hier noch ein paar eher subjektiv geprägte Hinweise :
Zuerst ein paar Anmerkungen zum Abbinden des Penis und/oder der Hoden.
Es gibt eine ganze Menge Männer, die darauf stehen. Das Abbinden
oder Einschnüren des Penis reduziert den Rückfluss des Blutes
und kann zu einer verlängerten Erektion führen. Das ist häufig
angestrebt und kann sehr aufregend sein. Wenn ein Penis zu lange abgebunden
bleibt, kann das mit der Zeit recht schmerzhaft werden. Eine Entscheidung,
wann die Fessel entfernt werden soll, sollte sich nach dem Bedürfnis
des Gefesselten richten, aber wenn es zu einer Blaufärbung des Gewebes
kommt, würde ich zu einem baldigen Entfesseln raten.
Manche Männer mögen
es, viele Frauen hassen es: abgebundene Brüste. Das mehr oder weniger
feste Umwickeln der Brüste mit Seil sensibilisiert die Brusthaut
und besonders den Nippel. Gleichzeitig kann der ausgeübte Druck auf
den Drüsenkörper sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Als Folge
auftretende völlig unerotische, schmerzhafte Reizungen des Drüsenkörpers
können äußerst langwierig verlaufen. Manche Frauen haben
auch ein ästhetisches Problem mit abgebundenen Brüsten, die
vielleicht durch den Blutstau in der Oberhaut noch blau anlaufen. Ein
guter Aktiver sollte darauf Rücksicht nehmen.
Jemanden nackt in einem kühlen Schlafzimmer zu fesseln, zeugt nicht
von sonderlich gutem Stil. Gerade bei Frauen kann es neben einer Erkältung,
wie man sie sich bei Unterkühlung gerne mal einfängt, auch zu
einer Blasenentzündung oder gar einem aufsteigenden Harnwegsinfekt
kommen. Da eine Bondage-Session für die meisten Leute sehr aufregend
ist, verlieren die Passiven manchmal das Gefühl dafür, dass
ihnen kalt ist. Daher gehört es in die Verantwortung des Aktiven
darauf zu achten, dass der Raum immer gut beheizt ist und dass die Person
nicht friert. Auch wenn es optisch nicht immer überzeugt: Ein paar
dicke Skisocken oder das Anbehalten der Schuhe hat schon so manche Blasenentzündung
verhindert.
Achtung: Heizlüfter sollten nie dichter als 1 Meter neben einer gefesselten
Person stehen.
Was immer mal gerne gemacht wird, weil es so schön ist: Erst fesseln
und dann jemanden auf dem Teppichboden durchvögeln. Bei der Bewegung,
die dadurch entsteht, kann es auf der Haut der unten liegenden Person
zu unangenehmen Verbrennungen durch die Reibung kommen. Man sollte dann
lieber für eine glatte Unterlage sorgen, wie z.B. ein Laken oder
eine Wolldecke.
Bei längeren Fesselungen, wie jemanden die ganze Nacht gefesselt
schlafen lassen, kann es zu Druckstellen bis hin zu Druckgeschwüren
kommen. Das wird besonders dadurch gefördert, dass jemand auf einer
nicht saugfähigen Unterlage liegt, wodurch der Schweiß sich
an den Auflagestellen sammelt. Vermeidbar ist das, wenn man dem Körper
erlaubt, immer mal wieder seine Lage zu verändern oder indem man
die Bondage mal nicht auf seinem Lieblingsgummilaken macht. Hautabschürfungen
sollte man desinfizieren und mit Pflastern abdecken. Oberflächliche
Druckstellen kann man mit einer kühlenden Sportsalbe verarzten.
Allgemein ist noch zu beachten, dass Fesseln bei einer Lageveränderung
ihren Druck auf den Körper verändern können. Das soll heißen,
dass man die Enge der Fesseln sobald sich das Modell bewegt hat, regelmäßig
kontrollieren muss, damit sie nicht unerwartet einschneiden.
Manche Bondages zwingen den Körper in für ihn ungewohnte Stellungen.
Das kann zu Überdehnungen an Gelenken und Muskeln führen. Besonders
leicht kann das bei einer Ellbogen-Bondage passieren. Es können die
Symptome einer Sehnenzerrung, einer Muskelzerrung oder gar einer Gelenkkapselreizung
auftreten.
Maßnahme: Cold- bzw. Hot-Pack, heißes Bad, wärmende oder
kühlende Salben. (Ob warm oder kalt richtet sich nach dem Geschmack
des Betroffenen.) Bei länger andauernden Beschwerden sollte man den
Facharzt aufsuchen.
Sobald jemand wirklich in den Seilen hängt oder die Fesselung schön
eng ist, gibt es Seilabdrücke auf der Haut, die bei gedrehtem Seil
recht hübsch aussehen. Es kann aber auch zu kleinen blauen Flecken
kommen, wenn die einzelnen Seilbahnen oberflächlich Haut einquetschen.
Das kann man oft vermeiden, indem man, sobald die Fesselung fertig ist,
mit dem Finger unter den Seillagen durchfährt (immer von vorne nach
hinten und so, dass das Seil vom Körper abgehoben ist, damit man
nicht doch noch die Haut zwischen Finger und Seil einklemmt).
Wer mal eben versucht irgendwelche exotischen Japan-Bondages, wie man
sie in einem Film oder einem Foto gesehen hat, nachzumachen, kann sich
vielleicht mit dem Problem eines ausgekugelten Schultergelenkes konfrontiert
sehen. Hier sollte sofort ein Eisbeutel aufgelegt werden, damit die auftretende
Schwellung möglichst gering bleibt und ein Einrenken möglich
ist. Dann den Notarzt aufsuchen, denn Einrenkungen sollte man dem Fachmann
überlassen.
Zur Erinnerung: Die Modelle
in Bondage-Filmen und Heften sind Profis, die genau wissen, wo die Belastungsgrenze
ihres Körpers ist. Daher ist beim "Nachbau" einer Bondage,
die man mal gesehen hat, erstmal Vorsicht und erhöhte Achtsamkeit
geboten. Rückmeldungen des Bondage-Opfers sind IMMER ernst zu nehmen.
Was der eine noch aushält, kann für den anderen schon unerträglich
sein. Immerhin steckt der Aktive nicht in der aktuellen Bondage, auch
wenn er oder sie vielleicht schon selbst einschlägige Erfahrungen
gemacht hat. Und was dem einen kein Problem bereitet, kann sich für
den anderen schon unzumutbar anfühlen.
Das ist jetzt ein ziemlicher Gruselkatalog möglicher körperlicher
Bondage-Folgen gewesen. Aus eigener Anschauung weiß ich leider,
dass von allen sexuellen Praktiken Bondage die Technik mit den häufigsten
Unfälle ist. Diese bestehen glücklicherweise meist nur aus einer
ungewollten Hautabschürfung oder einem leicht gereizten Nerv, aber
auch das lässt sich bei Beachtung der Vorsorgemaßnahmen weitgehend
vermeiden. Übrigens, Bondage schützt nicht vor übertragbaren
Geschlechtskrankheiten. Deswegen sollte auch bei Bondage Safer Sex praktiziert
werden. Gerade wenn sich jemand nicht wehren kann, ist es ein echter Vertrauensbruch,
ungeschützten Sex ohne Absprache auszuüben.
(Aus "Japan Bondage" von Matthias T. J. Grimme, copyright
2011 Charon Verlag)
Bruce Esinem von Esinem.com
hat weitere wichtige medizinische Infos zusammengetragen. Leider nur in
englisch. Man findet die Informationen hier:

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